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Walter Affolter und Emile Gilliéron

ein Verhängnis

Dr. Walter Affolter überzeugte seine Mäzenin, die Präsidentengattin Laconda Molièr, die Funde allesamt zu restaurieren. Er berief sich auf die Arbeiten von Emile Gilliéron und dessen Ergänzungen am minoischen Erbe, namentlich auf den Lilienprinzen. Laconda Molièr war eine mondäne Erscheinung mit einem gewissen Hang zum Pomp. Ihr kam das Anliegen von Affolter sehr entgegen. Eine erbitterte Kritikerin dieser Praxis war indes die jüngere Schwester von Walter, Hedi Bernadette Affolter. Auch heute zeitigt diese Praxis immer wieder mal einen gewissen Unmut im Feuilleton. Eine "Rückrestaurierung" wäre zwar möglich, stelle aber eine weitere Fälschung an einem Zeitzeugnis dar. In der Genfer Ausstellung sind zwei Gipsabgüsse von Koren zu sehen, die von Emile Gilliéron koloriert wurden.

Emile Gilliéron

* 26. Oktober 1851 in Villeneuve, Kanton Waadt; x 1924 in Athen) war ein Schweizer Maler und Restaurator, tätig in Griechenland.

Emile Gilliéron, Bruder von Jules Gilliéron, studierte von 1872 bis 1874 Zeichnen an der Gewerbeschule in Basel, 1875–1876 an der Kunstakademie München und von 1875 bis 1877 im Atelier von Isidore Pils in Paris. Seit 1877 lebte er in Athen und war dort vor allem als archäologischer Zeichner tätig. Zeitweise war er auch Zeichenlehrer der Kinder des Königs von Griechenland Georg I. Zeichenschüler von Gilliéron war auch der junge Giorgio de Chirico, in dessen Werk sich zahlreiche klassische Bildmotive wiederfinden.

1896 und 1906 entwarf Gilliéron die Gedenkbriefmarken anlässlich der Olympischen Spiele in Athen.

Er spielte gemeinsam mit seinem Sohn Emile (1885–1939) eine wichtige Rolle bei der Wiederherstellung von Fresken und anderen Funden in Knossos auf Kreta für Arthur Evans. Das Vater-Sohn-Team arbeitete über 30 Jahre in Knossos. Dabei malte es farbige und sorgfältig gearbeitete Reproduktionen, die auf der ganzen Welt verbreitet wurden. Mit ihren angeblichen Reproduktionen, die ganz anders als die ursprünglichen Tempelbemalungen waren (beispielsweise wurden Palmendarstellungen willkürlich durch Liliendarstellungen ersetzt), hinterließen sie einen lebendigen Eindruck von der minoischen Kultur, die eine ganze Generation von Schriftstellern, Intellektuellen und Künstlern, von James Joyce bis Sigmund Freud und Pablo Picasso inspirierten.

Obgleich Emile Gilliéron und sein Sohn etwa bei Rekonstruktion von Knossos mitwirkten, sind ihre Ergebnisse oft künstlerisch sehr frei und orientieren sich nicht am archäologischen Standard auch jener Zeit; manches steht sogar im Verdacht eine Fälschung zu sein.

(Quelle Wikipedia)

Dr. Walter Affolter war kein bekennender Philhellene. Der Einfluss von Sir Arthur Evans ist aber gut belegt. So traf Affolter denn auch mit seinem Landsmann Emile Gilliéron zusammen, der ihm seine Skizzen und Pläne für die Rekonstruktion von Knossos darlegte. Beide bewunderten Evans Einfallsreichtum.

Evans’ eigenwillige Benennung von Räumen, wie dem Thronsaal, dem Badezimmer der Königin, der Karawanserei, dem Zollhaus und anderen trug ihm viel Kritik der Archäologen ein. Hierin sehen viele Archäologen die Suggestion einer Befundsicherheit, die keineswegs existiert. Seine kühnen Rekonstruktionen sind höchst umstritten, da sie diese individuellen Interpretationen zementieren und weitere Forschung am Objekt (in situ) praktisch unmöglich machen. In seinem Bemühen, die freigelegten und dadurch der schnellen Verwitterung zugänglichen Räume und Artefakte vor dem Verfall zu konservieren und dem Betrachter eine Vorstellung des denkbaren Aussehens des ehemaligen Palasts zu geben, experimentierte er zunächst mit aus England und Skandinavien eingeführtem Holz. Als dieses nicht die erhoffte Langlebigkeit aufwies, setzte er den damals modernsten und langlebigsten Baustoff ein, Beton. Doch dieser ist viel schwerer als antike Gips- und Holzkonstruktionen und bedarf nach knapp hundert Jahren angesichts tausender Touristen pro Tag laufender Restaurierung. Andererseits muss man Evans als Kind seiner Zeit ansehen, in der antike Ruinen im Geiste des Philhellenismus wiederhergestellt wurden.

Auch die Wirkungen von Emile Gilliéron der gemeinsam mit seinem Sohn Emile (1885–1939) eine wichtige Rolle bei der Wiederherstellung (und dabei künstlerisch sehr frei) von Fresken und anderer Funde in Knossos für Arthur Evans arbeitete, sind möglicherweise als Fälschungen zu betrachten.

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